009: Constanze S.: „Märchenland im Müll“

  • CONSTANZE S.
  • „Märchenland im Müll – Der Zauber des Elends“
  • Sprecherin: Marion Alexa Müller
  • Musik von: False Friend, The Fine Print, Lefthand Thirdfinger, Punk´d Royal, Rentokill
  • Autobiographie einer erblindenden Frau, zwischen Punk, Drogen & dem Wunsch, die Welt zu retten.
  • 4 CDs, Box 280 min., 19×13,5cm,
  • ISBN: 978-3-940767-03-5
  • Edition Periplaneta, UVP: 19,99 € (D)

Constanze S. schildert ihre Erlebnisse in der Punk- und Drogenszene, versteift sich dabei aber nicht auf die beliebten süffisanten Details hygienisch bedenklicher Exzesse, die man den jungen Wilden so gern andichtet. In den modrigen Winkeln zugeschissener Abrisshäuser versteift sich nämlich gar nichts mehr. Vielmehr geht es dann bereits ums nackte Überleben, sei es in Schlägereien, die sich aus haarsträubenden Missverständ- nissen und Getränkeunfällen gnadenlos emporschaukeln oder beim Kampf um den nächsten Schuss. Constanze S. arbeitet zudem  ihre schleichende Erblindung auf, die sie auf die Straße trieb, die ihr aber auch zu Erkenntnissen verhalf.

Es geht aber nicht nur um Drogen und den Exzess der Verzweifelten. Es geht um ganz reales Elend, denn schon immer ist auch ein Teil der Überflussgesellschaft vor vollen Schüsseln verreckt. Was „Märchenland im Müll“ dabei ausmacht, ist seine klare Sprache, weitestgehend ohne Plattitüden und Kraftausdrücke und  doch ganz nah an der Realität. Die Story bietet viele echte Denkanstöße, vielleicht sogar Lösungen, allerdings nicht durch das Schwingen der Moralkeule. Sie kann aufklären, denn im Verlauf der einzelnen, zum Teil erschütternden Episoden gelingt es Constanze S., den Weg des Heroins zu schildern und zugleich liebenswerte Eigenarten ihrer Gemeinschaft einfließen zu lassen, in der Zusammengehörigkeitsgefühl, blindes Vertrauen und  rohe Gewalt  dicht beieinander liegen.

„Märchenland im Müll“ ist ein vielschichtiges, autobiographisches Werk, eine Warnung,  aber auch eine subtile, sehr wirksame Erklärung des Umstandes, dass neben der beschriebenen Welt der Stoner, Junkies, der Punks und Freaks noch eine ganz andere Hölle existiert, zu der mancher wörtlich genommen, „ums Verrecken nicht“ dazugehören will.

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Autor: Silbenstreif

Silbenstreif Label und Studio Berlin

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